16. Lange Nacht der Theater
20. Mai 2017

Rückblick

Historie „Lange Nacht der Theater“ in Hannover

Die Geschichte der Langen Nacht der Theater in Deutschland beginnt in unserer Stadt: Am 27. April 2002 vereinten sich 16 Bühnen in Hannover zur bundesweit ersten „Langen Nacht der Theater“.

Initiator war das Schauspiel Hannover unter dem damaligen Intendanten Wilfried Schulz. Zusammen mit der Landesbühne und dem Kulturamt der Stadt Hannover übernahm man die Organisation und Koordination des Mammutprojekts. Von Anfang an dabei war auch der Shuttle-Service der üstra.

Es gab jedoch keine übergreifende Regie, von Anfang wurden bewusst keine inhaltliche Vorgaben gemacht: Jedes Haus durfte zeigen, womit es sich präsentieren wollte. Jeder Besucher sollte so viel Theater sehen, „wie er verträgt“ und dabei „in zwangloser Atmosphäre neue Spielorte entdecken“. Dieser Grundsatz gilt bis heute.

Andere Städte hatten es bereits angedacht: Nach dem Vorbild der Museumsnächte wollte man „Theater satt bis nach Mitternacht“ erlebbar zu machen. Wegen des großen logistischen Aufwands war die Idee aber immer wieder verworfen worden.

Ein buntes Durcheinander kennzeichnete die „1. Lange Nacht der Theater“ in Hannover. Der Eintritt sollte, zumindest theoretisch, Zugang zu allen Vorstellungen ermöglichen – zugleich gab es keine Platzreservierungen. Die Häuser nahmen so viele Menschen auf, wie irgendwie möglich. Der Theaterabend war so nur bedingt planbar. Doch die Besucher nahmen das Chaos spielerisch: Sie ließen sich im Strom der Menge einfach treiben und von der Theatervielfalt in Hannover wach küssen.

Sönke Lill (Neue Presse Hannover, 6. Mai 2013):

Vom Hades zur Happy Family

6500 bei der zwölften Langen Nacht der Theater: Ein pralles Programm und keine Pannen.

„Hannover. Es ist ein grausiger Weg in die Unterwelt, den Hades. Vier Frauen sind an die Wände gefesselt. Jede von ihnen eine Eurydike, die am Ende doch im Hades bleiben muss, weil sich ihr geliebter Orpheus auf dem Weg nach draußen zu ihr umgedreht hat.

Und während sich die Eurydikes quälen und verrenken, müssen die 50 Besucher an ihnen vorbei, die sich im „Hades“ der Eisfabrik Auszüge aus dem kommenden Programm „Orpheus Schatten“ ansehen wollen: dynamische Improvisationen und intensive Tanzeinlagen.

Ein gelungener Beitrag der Commedia Futura zur zwölften Langen Nacht der Theater in Hannover, der Lust auf mehr machte. Was ja das Ziel aller 30 teilnehmenden Bühnen ist: ein Schaufenster der Theaterlandschaft Hannover bieten. 6500 Besucher nutzten es und zogen am Sonnabend von Theater zu Theater, ein guter Erfolg. 1500 mehr als im vergangenen Jahr waren es, als die Besucherzahl der Langen Nacht unter der zeitgleichen Austragung des Pokalfinales gelitten hatte.

Auch die kleinen Pannen aus dem Vorjahr hatten die Veranstalter behoben: Die Kultur-Busse, die die Gäste von einer Spielstätte zur anderen brachten, fuhren trotz Marathon-Vorabend pünktlich, und keine Veranstaltung war von vornherein ausverkauft. Eine hindernisfreie Nacht also, in der es Tanz, Schauspiel und Lesungen über Gesang und Artistik bis zu Mitmachaktionen alles gab.

Rappelvoll war es meist bei den Innenstadt-Bühnen, GOP, Ballhof, Neuem Theater, Schauspielhaus und Oper. Und von „Ballett unterm Dach“ bis hin zur „Spirit“-GOP-Varieté-Show war das Programm wieder bestens zusammengestellt. Im Schauspielhaus schüttelte sich das Publikum regelrecht vor Lachen über eine Szene aus „Minna von Barnhelm“ mit einem unschlagbar komischen Florian Hertweck als Riccaut de la Marlinière und einer sächselnden Zofe Franziska. Im wunderschönen Ambiente der Cumberlandsche Galerie sagen Schauspielstudenten der Hochschule für Musik, Theater und Medien am musikalischen Abgrund: „Happy Family“. Allerdings hätte man sich als Zuschauer ein bisschen mehr Einführung in die Abgründe gewünscht, die sich im Medley von „Obladi Oblada“ von den Beatles bis zu Robbie Williams´ „Let me Entertain you“ auftaten.

Auch die Spielstätten außerhalb der Innenstadt wie Faust oder das Theatrio-Figurentheaterhaus wurden gut angenommen und waren nahezu ausverkauft. Da nahmen es die Besucher den Veranstaltern auch nicht übel, wenn das Programm umgestellt werden musste. So fiel in der Companie Fredeweß „Bach im Basement“ aufgrund von Krankheitsfällen aus. Dafür gab es ein Potpourri aus bisherigen Produktionen der Gruppe. Das war in dem kleinen Raum Tanz hautnah am Publikum, jedes Atmen der Tänzer war zu hören, jede Anstrengung zu spüren. Und Chef Hans Fredeweß musste selbst mit auf die Bühne.

Bemerkenswert gelungener Rausschmeißer der Theater-Nacht: das Opernchorkaraoke mit Chordirektor Dan Ratiu und Klavierbegleitung von Tatjana Berg. 400 Besucher versammelten sich um Mitternacht im Opernhaus und sangen sich unter Ratius humorvoller Leitung nach einem langen Abend wieder richtig munter – etwa mit dem schwungvollen „Premierenfieber“ aus Cole Porters „Kiss me Kate“. Eine gute Vorbereitung für die Aftershowparty im Schauspielhaus, bei der bis in die frühen Morgenstunden getanzt wurde. Da war die Nacht wieder zum Tag geworden.“